Dieser bekannte Satz des brillanten Kurt Tucholsky kam mir wieder in den Sinn als ich jüngst hautnah erleben durfte, was alles passieren kann, wenn die Kommunikation vernachlässigt wird.
Worte können unsere Wahrnehmung verändern, sie erzeugen Bilder und setzen den Rahmen für unsere Interpretationen. Ein Satz kann aufbauen oder zerstören. Worte können befreien oder uns in den Schwitzkasten nehmen. Sie können in uns gute Gefühle erzeugen oder eben schlechte. Worte allein sind schon sehr machtvoll, doch noch stärker ist die Haltung des/r SprecherIn, seine/ihre Gesinnung seine/ihre Absichten und oft auch das, was er/sie vermeintlich nicht beabsichtigt. Die wahre Macht haben immer unsere Gefühle, ob wir das wissen oder nicht.
Ein kluges Sprichwort, das allerdings nicht immer zutrifft. In meinem Beruf und in meinem gesamten Universum verhält es sich genau andersrum. Ich setze immer auf Kommunikation, denn nur dort wo ehrlich miteinander gesprochen wird kommt es auch zu positiven Interaktionen. Dieses Weltbild wurde nun erneut bestätigt, als kürzlich meine Intervention in einem äußerst dramatischen Fall gefragt war. Ein gesamtes Team hatte geschlossen die Kündigung ausgesprochen und von einem Moment auf den anderen hatte der vollkommen ahnungslose Chef weder eine Küchenbrigade noch ein Serviceteam. Jetzt fragt man sich natürlich, wie konnte es soweit kommen? Die noch dringlichere Frage ist, wie kann man ahnungslos sein, wenn die Titanic bereits sinkt? Hatte der Betreiber des Lokals die Kollision verschlafen oder den schwelenden Konflikt schlichtweg ignoriert?
Tatsächlich war es so, dass das Drama als solches von ihm nicht wahrgenommen wurde, da es aus mangelnder Kommunikation entstanden ist. Nicht das gesprochene Wort war der Auslöser, sondern das unausgesprochene. Und dieses Schweigen in Kombination mit fehlender Interaktion zwischen Chef und Mitarbeitern führte zu einem Dominoeffekt von persönlichen Interpretationen auf beiden Seiten. Die Mitarbeiter fühlten sich nicht wertgeschätzt und ihre Arbeit erschien ihnen bedeutungslos zu sein, da der Chef sich nie dazu äußerte. Weitere Missstände kamen dazu, weil allgemeine Unzufriedenheit die Arbeitsabläufe beeinträchtigt, was wiederum zu Missstimmung beim Chef führte. Der hatte das Gefühl, die Mitarbeiter würden ihre Aufgaben nicht ernst nehmen und lieber ihre Launen ausleben anstatt Kreativität auf die Teller zu zaubern.
Nach nur zwei Gesprächen mit dem Küchenchef konnte ich das Team wieder stabilisieren und bis auf einen Servicemitarbeiter blieb die gesamte Crew erhalten. Neue Strukturen wurden geschaffen und zugleich wieder Pioniergeist geboren. Die jungen Männer, die das Team bilden, hatten letztlich nur einen Wunsch an ihren Chef. Sie wollten mehr und besser mit ihm kommunizieren.
Was sie eigentlich wollten, war mir sofort klar. Sie brauchten Transparenz, Klarheit und vor allem Anerkennung. Denn hinter Schweigen kann sich vieles verbergen. Missachtung, mangelnde Wertschätzung, Kritik oder einfach nur Ignoranz. Und das kann uns sehr verunsichern.
Dieser Fall ist nochmal gut ausgegangen. Doch wie oft brechen Beziehungen auseinander, weil nicht klar, offen und ehrlich miteinander gesprochen wird? Und auch nicht zugehört wird. Wir können nur voneinander lernen und miteinander auskommen, wenn wir uns ausdrücken und dafür sorgen, dass unser Gegenüber sich wahrgenommen fühlt.
Denn Sprache ist nicht nur eine Waffe. Sprache ist Verbindung. Sie ist die Brücke zu unseren Mitmenschen, ist Ausdruck unserer Welt und erschafft unsere Welt. Ob diese Welt friedlich oder kriegerisch ist, bestimmen wir somit selbst.
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