Es gibt den Moment kurz vor einer Neueröffnung, wenn im Gastraum diese eigentümliche Mischung aus Vorfreude und Anspannung liegt. Gläser werden ein letztes Mal poliert, Stühle zurechtgerückt, Tischtücher zur Perfektion gezupft.
In solchen Augenblicken wird mir immer wieder bewusst, dass ein Restaurant zu eröffnen eine jener Entscheidungen ist, bei denen eine große Portion Optimismus ausgesprochen hilfreich ist. Mut und eine zuversichtliche Grundeinstellung benötigt man ebenso wie den unerschütterlichen Glauben an die eigene Vision. Denn während andere Menschen über stabile Geschäftsmodelle nachdenken, stürzt sich der hoffnungsfrohe Gastronom in ein wahres Minenfeld schwer kalkulierbarer Eventualitäten, die ihn zu Fall bringen können, selbst wenn er die besten Absichten hat und sich akribisch vorbereitet.
Die Gastronomie ist schließlich ein eigenwilliges Gewerbe. Man kann vieles planen. Einkauf, Kalkulation, Speisekarte. Man kann auch vieles berechnen. Menschen aber eben nicht. Wenn man nun ein neues Team zusammenstellt, muss man sich im Grunde auf Fremde verlassen wollen, die gerade in dieser Branche oft unberechenbar sind. Heute sind sie da, morgen vielleicht schon nicht mehr. Und wie ein Mensch wirklich tickt, zeigt sich oft erst in Extremsituationen. Davon gibt es mehr als genug in der Gastronomie.
Ebenso verhält es sich mit den Gästen. Wer die künftigen Gäste sind und wie sie sich verhalten werden, kann man leider auch nicht berechnen. Trotz Zielgruppenanalyse. Es kann alles ganz anders kommen. Ob ein Lokal langfristig seinen Platz findet, entscheidet letztlich immer das Publikum. Gäste sind in dieser Hinsicht erstaunlich ehrlich, aber ebenso unberechenbar. Sie kommen wieder, oder eben nicht.
Eine besonders gelungene Neueröffnung durfte ich dieser Tage wieder hautnah begleiten.
Oliver Wolf, ein aufstrebender Gastronom mit großer Leidenschaft für das Außergewöhnliche, hat einen magischen Ort für seine gastronomische Abenteuerlust gefunden und ein Konzept verwirklicht, das sich fast schon als logische Schlussfolgerung der faszinierenden Landschaft vor Ort versteht. Soul Food ist im Genuss Gut Wachau kein cooles Schlagwort, sondern vielmehr der Wunsch des Hausherrn, einen Ort zu erschaffen, an dem Menschen zusammenkommen, um zu essen, zu trinken, zu diskutieren, sich auszutauschen und vielleicht mit sich selbst ein Rendezvous einzugehen.
Der Genuss steht hier für mehr als nur einen hedonistischen Lebensstil. Er steht für den Traum von einer Gemeinschaft, die sich wieder miteinander verbinden möchte.
Es gibt viele Gründe ein Lokal zu eröffnen. Nicht immer steht am Anfang ein Traum. Und nicht immer beginnt alles wie die klassische Heldenreise, obwohl es sich gerade am Anfang oft so anfühlt angesichts der vielen Hürden, die man überwinden muss. Manchmal ist es einfach strategisch geplantes Unternehmertum, wenngleich mit hohem Einsatz und Risiko. Doch wenn ein echter Traum und Herzenswunsch verwirklicht wird, dann spürt man das sofort. Genau diesen Spirit findet man im Genuss Gut Wachau.
Hingehen und überraschen lassen 😊
Genuss Gut Wachau, Rossatz 186, 3602 Rossatz