Warum gute Führung so oft scheitert
Kommunikation Trennlinie

Unlängst sagt ein Gastrokollege zu mir: „Chef sein will gelernt sein.“

Nachdem wir eine Weile über Führungskompetenzen im Allgemeinen und schließlich über die eigenen schwadroniert hatten, waren wir uns rasch einig, dass wir die obere Etage des Managements ganz gut beherrschen. Selbstverständlich wollte sich in diesem Dialog keiner eine Blöße geben.

Doch ist das wirklich so?

Zu Hause angekommen, denke ich noch lange über unser Gespräch nach und erinnere mich, nicht ohne Unbehagen, an die vielen und durchaus folgenschweren Fehler, die ich gemacht habe, insbesondere in meinen Anfängen. Der Kollege meinte noch, man könne nicht früh genug beginnen „das Chefsein“ zu unterrichten, am besten schon in der Volksschule. Das halte ich zwar für übertrieben, doch tatsächlich sollte man damit nicht erst an der Universität beginnen. 

Doch was genau sind echte Führungsqualitäten, und kann man sie tatsächlich in der Schule lernen? Auf jeden Fall ist es ein stiller Irrtum, zu glauben, Führung in der Gastronomie sei vor allem eine Frage der Organisation. Dienstpläne, Abläufe, Kontrolle. Alles natürlich enorm wichtig, dennoch nicht entscheidend. Denn das, was einen Betrieb wirklich am Laufen hält, ist nicht seine Struktur. Es ist die Klarheit im Menschen. Ein Betrieb funktioniert wegen der Menschen, die in ihm arbeiten.

Und genau hier beginnt etwas, das bereits Platon erkannt hat, lange bevor es Restaurants, Teams oder moderne Führungskonzepte gab.

Die unsichtbare Ebene der Führung

In Platons Höhlengleichnis sind wir gefangen in unseren Wahrnehmungen. Wir sehen die Schatten an der Wand und halten sie für die Wirklichkeit. Diese Schatten sehen wir auch heute noch. Was wir glauben zu sehen, ist meist nur die Oberfläche eines Verhaltens, oder anders gesagt, die Folge eines inneren Zustands.

Was das mit Führung zu tun hat? Alles. Ich bin überzeugt, dass gute Führung nur möglich ist, wenn man bereit ist, aus der Höhle hinauszugehen. Wenn wir uns für unsere MitarbeiterInnen wirklich interessieren, anstatt nur Verhalten zu interpretieren. Egal was wir in unseren Ausbildungen gelernt haben. Im Zuge einer solchen habe ich natürlich auch das Fach „Personal Leadership & Management“ belegt, doch ehrlich gesagt, kann ich mich kaum erinnern, was ich dort gelernt habe. Woran ich mich dafür umso genauer erinnern kann, sind die oben genannten Patzer im Lauf der langen Jahre meiner Selbstständigkeit. Und auch heute noch mache ich mitunter die gleichen Fehler. Statt hinauszugehen, interpretiere ich oft nur die Schatten. Und das, obwohl mich menschliches Verhalten ehrlich interessiert und zutiefst fasziniert.

Wie erkennen wir, was außerhalb der Höhle passiert?

Platon meinte, dass die Wahrheit nur in unserem Inneren gefunden werden kann. Und dieses Innere findet man wiederum durch ehrliches Interesse, durch Unvoreingenommenheit und zu einem großen Teil auch durch echte Kommunikation. Zuhören wirkt wahre Wunder. Aber nicht nur das.

Gute Führung gelingt vielleicht erst dann, wenn man sich eingestehen kann, dass man auch daneben liegen kann. Mit seinen Vermutungen, den Deutungen und der eigenen Küchentischpsychologie, derer wir uns ab und zu so gern rühmen.

Einsicht ist unbequem. Aber ohne sie bleiben uns nur die Schatten.

Hier geht es zu meinem letzten Beitrag: Abenteurer, Sinnsucher und gastronomische Idealisten